Finley, der Kleinhundeflüsterer

Finley, der Kleinhundeflüsterer

Vorurteile gehören fest zu unserer Hundewelt. Gegen eines kämpfen Finley und ich fast täglich an: „Große Hunde sind tollpatschige, distanzlose Riesen, die ihre kleinen Artgenossen rücksichtslos überrennen.“ Das ist doch Quatsch! Genau genommen ist es doch so, dass kleine Hunde kläffende Wadenbeißer und verwöhnte Nervensägen sind, oder? Upsi, habe ich etwa auch Vorurteile?

Eigentlich ist es egal, was wir Menschen dazu sagen, denn NICHTS davon spielt in der Interaktion unserer Hunde eine Rolle! Anstatt zu meckern, sollten wir uns selbstkritisch fragen, ob es nicht vorwiegend unsere eigenen Ängste sind, die uns dazu bringen, einen Malteser hektisch auf den Arm zu nehmen, nur weil ein Labrador mit ihm spielen möchte. Hunden ist komplett egal, wie klein ein Malteser ist. Sie beurteilen sich nicht nach der Widerristhöhe. Sie beurteilen das Ego ihres Gegenübers. Wie ist die Körperhaltung, wie riecht er, versteht er meine Signale? Hunde sind da viel klüger als wir, denn sie wissen, dass es tatsächlich nur auf die inneren Werte ankommt.

 

Finley liebt kleine Hunde und hat es früh gelernt, sich kleinen und jüngeren Hunden gegenüber zurückzunehmen. Wir hatten Glück, denn wir trafen häufig auf Hundehalter, die ihren kleinen Hunden erlaubten, sich auch mit Größeren auszutesten. Als wir im Wald zum ersten Mal auf Loki, eine kleine Mopshündin und Bea, ihre Besitzerin, trafen, lieferten die Zwei uns eine abgespeckte Vorstellung der „Cameliendame“ ab. 

Loki verkroch sich laut „MonDieuichschterbe“ wimmernd hinter Beas Beinen und Bea kommentierte das mit schrillem Sopranissima „Allesistguhuuuut meine Kleine“. Mit anderen Worten, der ganze Wald war in Aufregung. Eulen schreckten aus ihrem wohlverdienten Schlaf, Kröten unterbrachen ihre Wanderung und Mäuse verrammelten ihre Bauten von innen mit Tannenzapfen.

 

Das alles wäre gar nicht nötig gewesen. Finley hatte sich hingelegt und hielt den Kopf schief, er fiepte ein leises „Mach Dir mal keine Sorgen Kleine“ zur Möpsin hinüber. Er lag geduldig da, bis sich Loki aus ihrer Deckung traute und anfing, an meinem Rüden zu schnuppern. Finley beobachtete das aus dem Augenwinkel. Ich beruhigte inzwischen Bea, die mit weit aufgerissenen Augen zusah und ununterbrochen „Das hat sie ja noch nie gemacht“ stammelte. Zusammen erlebten wir, wie Loki die Scheu verlor und gingen dann zusammen weiter. Unsere Freundschaft war für beide Seiten ein Win-Win-Deal. Loki gewann an Selbstbewusstsein und Finley konnte seine Skills vertiefen.

 

Es gibt Harmonie zwischen großen und kleinen Hunden, wenn ihre Halter es zulassen. Natürlich sind da auch ein paar rücksichtslose Großhundebesitzer oder hysterische Kleinhundebesitzer. Aber ein Feindbild aufzubauen ist hinderlich. Was uns bleibt, ist unserem Hund zuzugestehen, Begegnungen mit großen und kleinen Hunden zu haben. Es hilft schon viel, wenn der eigene Hund das kann.