Warum?

Wenn Hunde grundlos gähnen, gilt dies zunächst einmal als Zeichen für innere Anspannung und Stress. Ganz anders sieht es aber aus, wenn sie gähnen, weil ihr Mensch gerade gähnt.

 

In diesem Fall hat das Gähnen eine vollkommen andere Bedeutung – es ist ein Signal der Verbundenheit. Die Fähigkeit, sich vom Gähnen der anderen anstecken zu lassen, sagt etwas über das Einfühlungsvermögen aus. Kinder gähnen zum Beispiel erst ab einem Alter von vier Jahren mit – erst dann haben sie einen Entwicklungsstand erreicht, indem sie sich in die Psyche anderer Menschen hineinversetzen können. Nur ganz wenige Tiere sind zum ansteckenden Gähnen in der Lage. Außer Hunden wurde das Verhalten nur bei einigen Affenarten beobachtet. Und da Hunde nun mal als Caniden zu einer gänzlich anderen Gattung gehören, ist es besonders bemerkenswert, dass sie dazu in der Lage sind. Wie Menschen gähnen auch Hunde besonders bei den Menschen mit, mit denen sie emotional verbunden sind und zeigen somit ein einzigartiges Beispiel für artenübergreifende Empathie. Studien zeigten, dass ein Hund fünfmal häufiger mit seinem Menschen mitgähnt, als mit einem fremden Menschen. Das Gähnen ist damit ein stärkerer Empathie-Auslöser als Lächeln, Weinen oder Schluckauf. Der Ethnologe Karl von den Steinen äußerte eine Vermutung, nachdem er Feldstudien an indigenen Völkern in Zentralaustralien durchführte. Seiner Meinung nach dient das Gähnen als „Mechanismus der ansteckenden Müdigkeit“ dazu, das Schlafverhalten einer Gruppe zu synchronisieren. Es sagt ohne Worte so etwas wie: „Der Papa ist jetzt müde – jetzt gehen alle schön ins Bett!“ Wenn Ihr Hund also mit Ihnen mitgähnt, dann antwortet er so etwas wie: „Können wir machen, ich bin auch schon ganz erledigt.“