Die Wies’n – Gerede gibt es immer

Die Wies’n heißt bei uns im Norden Wiese oder Rasen und hat mit Oktoberfest-Traditionen so gut wie nichts zu tun. Obwohl, wenn ich es recht bedenke, gibt es da doch ein paar Parallelen.

 

Wenn auch auf einer anderen Ebene, wird auf der Hundewiese geschludert und geschwindelt was das Zeug hält. Man erfährt alle Neuigkeiten, ob man möchte oder nicht. Die Hundewiese übernimmt in unserer schönen Hundewelt gewissermaßen den Informationsauftrag, den bunte Zeitschriften in den Wartezimmern mancher Arztpraxen erfüllen.

 

„Der Rico soll sich ja letztens mit dem Kleinen da drüben geprügelt haben ...“

„Ne wirklich, der ist aber auch nicht ohne ...“ „Kein Wunder, sein Frauchen hat von Hundeerziehung absolut keine Ahnung ...“  Da werden andere Hundehalter hinter vorgehaltener Hand schonungslos für das Verhalten ihres Hundes kritisiert. Schon mancher Ruf wurde auf einer Hundewiese im Flüsterton ruiniert und das Selbstbewusstsein manches Hundehalters schmerzhaft angekratzt.

Bei uns in der Vorstadt gibt es auch so eine Wiese. Finley und ich müssen sie auf unserer Runde, auf dem Weg nach Hause überqueren. Auf dieser Wiese wurden schon genauso viele Freundschaften geschlossen wie Feindschaften, beide ohne Verfallsdatum. Finley und ich nehmen das nach all den Jahren mit wachsender Gelassenheit. Wenn wir jemanden kennen, so wie neulich, dann stellen wir uns dazu und horchen mal rein in die Gerüchteküche. „Du glaubst es nicht, die Manu hat jetzt zwei Hunde ...“ „Ach Du liebes Bisschen, das war mit dem ersten doch schon schwierig ...“ Mehr brauchte ich nicht zu hören, um zu wissen, dass es Zeit war weiterzugehen.

 

Wie schön war es, als wir auf Gonzo und sein Frauchen Monika trafen.

Gonzo ist ein Großpudel und ein ehemaliger Zirkushund. Als wir uns das erste Mal trafen, hatte Gonzo noch eine Continentalschur und sah aus Finleys Sicht etwas gewöhnungsbedürftig aus. Es hatte eine Weile gedauert, bis Gonzo merkte, dass weder wir noch Finley erwarteten, dass er ständig Kunststücke für uns aufführen musste. Finley zeigte dem zwei Jahre jüngeren Pudel seine neue Welt, und so langsam kam er zur Ruhe.

Bis Gonzo an diesem Punkt angekommen war, haben wir als Vierergespann sicherlich viel Stoff für den Wiesengossip geliefert. „Der Pudel ist doch hyperaktiv ...“ „Na der andere, hat es aber auch faustdick hinter den Ohren ... Ich könnte da Geschichten erzählen ...“ Uns vier kann das nicht entzweien. Denn wie gesagt, auch die Freundschaften, die entstanden sind, auf der Wies’n, sind ohne Verfallsdatum.

 

Birgit Jaklitsch schreibt jeden Monat eine Kolumne in der Hundewelt!