Fremdstreichler beim Gassi gehen

Einen schönen Morgen rufe ich hinein, in die Hundewelt. Es ist Mittwoch – und immer  noch Corona-Time. Trump will China auf Schadensersatz verklagen – so stand es zumindest in einer großen deutschen Zeitung –  und wir von der Hundewelt haben uns heute morgen bei der Redaktionskonferenz überlegt, ob wir uns mit unseren Hunden anschließen. Immerhin ist Gassi gehen nicht mehr das, was es mal war. Sobald ein anderer Hund von weitem in Sicht kommt, wird angeleint, die Richtung gewechselt und es geht in einem großen Bogen umeinander herum. Wieviel ist Sozialkontakt in Yuans wohl wert? 

 

Gut. Ängstliche, vermeidende oder auch aggressive Vierbeiner erleben wahrscheinlich gerade zum ersten Mal in ihrem Hundeleben tiefe Ruhe und Frieden. Denn aus Hundesicht zeigen wir Menschen auf diese Weise zum ersten Mal umsichtiges, respektvolles und konfliktvermeidendes Verhalten. Dieses frontale Aufeinander-Zugehen ist in Hundeaugen nämlich nicht wirklich easy und locker – in freier Wildbahn deutet sich so in der Regel eher ein Konflikt an. 

 

 

Aber ich habe ein äußerst charmantes Exemplar an meiner Seite. Sie hat eine sehr elegante Art entwickelt, um Streichlern zu entgehen, die ihr frontal auf den Kopf fassen wollen. Routiniert weicht sie der nahenden Hand aus. Sie hat dazu extra eine eigene Ausweichbewegung entwickelt, die sie kreiselnd hinter mein rechtes Bein bringt. Das strecke ich dann aus und so mancher menschliche Streichler fand seine Hand schon an meinem Oberschenkel wieder. Ich brauche dann nur eine Augenbraue zu heben und ach nee – was zuckt man da erschrocken zurück und ringt nach Worten der Entschuldigung. Spätestens dann taucht das flauschige Hundeköpfchen wieder auf und taxiert diesen Menschen sehr genau. Mit weiser Nachsicht nimmt sie huldvoll seine Beschwichtigungssignale entgegen. Wieder einmal hat sie erfolgreich Grenzen aufgezeigt. 

 

Aber nicht jeder Hund hat eine solche Taktik im Repertoire. Und da es nunmal meine Art ist, in jeder Situation das Gute zu suchen, habe ich es auch hier gefunden: Der Umgang mit fremden Hunden dürfte ruhig so bleiben, wie er gerade ist. Also bitte liebe Leute – fasst meinen Hund nicht an, und geht doch auch bitte weiter in einem Bogen um uns herum. Denn Freundschaft, meine Lieben, ist eine Kunst der Distanz. Oder was meint ihr? 

 

Claudia de la Motte aus dem HundeWelt-Team